Heute Karibik morgen Nordsee
Chartereinsatz der Tankschiffe

Beim Blick auf die Fahrtrouten der HLL-Schiffe fällt auf, dass für die neu erworbenen Tankschiffe der Reederei keine festen Routen eingezeichnet sind. „Die Schiffe werden nicht im Liniendienst, sondern weltweit in der Trampfahrt eingesetzt.“ – heißt es stattdessen, denn die Vercharterung von Tankschiffen verläuft etwas anders als bei Containerschiffen. Das hängt mit den Marktgegebenheiten zusammen.
Charterer von Tankschiffen sind neben den großen Ölgesellschaften vor allem so genannte Trader und Operator, die unterschiedlich befristete Beschäftigungen für kleine und große Tanker vergeben. Sie alle haben selbst Schiffe sämtlicher Größenklassen unter Kontrolle (zum Teil auch im Besitz) und ergänzen ihren zusätzlichen Tonnagebedarf hauptsächlich durch Reisecharter oder durch überwiegend kürzere Zeitcharterperioden. Im Gegensatz zu Containerschiffen sind die Rohöl- und Produktentanker meist im Rahmen von Reisechartern beschäftigt. Das heißt, der Reeder verchartert sein ganzes Schiff oder einen Teil für den Seetransport einer Ladung für eine bestimmte Reise vom Lade- zum Löschhafen. Im Ölgeschäft dominiert der Spotmarkt und daher die Reisecharter. Den Begriff Spotmarkt kennen viele als internationalen Ölmarkt mit den Schwerpunkten Rotterdam und London sowie regionalen Ölbörsen in Singapur, am Golf im Mittleren Osten und in New York. Sie dienen dem kurz- und langfristigen Handel mit Mineralölprodukten oder Rohölen. Spotmarkt in der Schifffahrt bedeutet, dass ein Schiff kurzfristig am Markt teilnehmen kann und dort wo es sich aufhält und gerade frei wird, sofort eine neue Beschäftigung annehmen kann. Viele Charterer neigen dazu, Schiffe relativ kurzfristig zu beschäftigen, auf so genannter Spotbasis. Andere wiederum chartern Schiffe für mehrere Jahre. Dann gibt es zusätzlich noch die Leichter oder Shuttlejobs, die nur wenige Tage dauern.

Hallo Taxi!

Die Produkten- und Chemikalientanker der HLL-Reederei sind auf allen Weltmeeren unterwegs, denn irgendwo ist immer Ladung vorhanden, vergleichbar mit einem Taxi, das gerufen wird, um eine bestimmte Tour zu fahren. Denn im Gegensatz zum Rohöl, das meist in Großtankern von der Quelle zur Raffinerie gefahren wird, agiert der Produktenhandel weitaus flexibler. Das bedeutet für die Schiffe der HLL-Reederei, dass sie auf den typischen Routen zwischen Nordeuropa und der Karibik, China und Singapur, zwischen der Karibik und der US-Golfküste, in der Ostsee, der Cross-Nordseefahrt oder dem Östlichen Mittelmeer unterwegs sind. Die neuen Tankschiffe der HLL-Reederei können – unter Berücksichtigung der Eisklasse – nicht nur in aller Welt eingesetzt werden, sondern auch flexibel als Chemikalien- oder Produktentanker. Ebenso vielseitig wird daher auch die Art der Beschäftigung sein.

Tempo, Tempo!

Eine Befrachtungsabteilung muss im Tankschifffahrtsmarkt noch stärker als in der Containerschifffahrt das Ohr am Markt haben, denn Spotreisen werden kurzfristig geschlossen. Das heißt: schneller reagieren, Bedingungen der Charterpartie rascher aushandeln, die Spezifikation des Schiffes sowie Position und Verfügbarkeit möglichst frühzeitig zirkulieren. Gegenüber der im Containergeschäft üblichen Zeitcharter, ist die Beschäftigung eines Tankschiffes von der Größe der HLL-Schiffe meist schon nach nur wenigen Tagen beendet. Während ein Containerschiff allerhöchstens ein bis zwei Mal pro Jahr verchartert wird, kann ein Tankschiff auf Grund der kurzen Seereisen durchaus bis zu 70 Mal im Jahr befrachtet werden.

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