Englisch ist die Sprache der Seefahrt
Standardisierung soll die Verständigung vereinfachen

Schon der Turmbau zu Babel scheiterte an der Sprachverwirrung. Zu viele Menschen redeten in zu vielen Sprachen – und konnten sich nicht mehr verstehen. Auch in der Seefahrt sind Seeleute mit fast so vielen verschiedenen Muttersprachen beteiligt, wie es Länder auf dieser Erde gibt. Daher war es notwendig, dass sich die Seeleute einigten, wie miteinander kommuniziert wird. Englisch hat sich seit rund 200 Jahren als Sprache der Seefahrt durchgesetzt. Nicht ohne Grund: „Defizite in der Kommunikation machen bis zu 35 % der Schiffsunfälle aus“, schätzt Prof. Dr. Peter Trenkner, Experte für maritime Kommunikation an der Hochschule in Wismar. Folgenreich war 1990 ein Brand auf der Fähre „Scandinavian Star“ im Skagerrak, bei dem 161 Menschen ums Leben gekommen waren – weil es praktisch keine Kommunikation der Besatzung gegeben hatte. Bei einem anderen Unglück klappte die Verständigung zwischen dem Maschinisten und der Brücke nicht – statt eines Maschinenbrands war dann der Totalverlust zu beklagen, so Trenkner. Auch bei Kollisionen sind oft Verständigungsschwierigkeiten ursächlich.

Eine Häufung von Unfällen, die auf Kommunikationsfehlern basierten, veranlassten Anfang der 90er Jahre die IMO, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die eine standardisierte Sicherheitssprache für die Seefahrt entwickelte. Trenkner war deren Leiter. Von 1997 bis 2000 wurden rund 3.000 Redewendungen weltweit erprobt, weiter vereinfacht und schließlich auf 1.700 Phrasen reduziert. 2001 wurden die SMCP – Standard Marine Communication Phrases – von der IMO schließlich veröffentlicht. Vorher waren englische Standardsätze in den Ausbildungsrichtlinien STCW verankert.

Alle Bereiche im maritimen Alltag und vor allem in Notsituationen werden von SMCP erfasst. Ob es ums Buchstabieren geht, um die Ladung oder um die on-board-Kommunikation bis hin zu Notfällen: Schemata für Fragen und Antworten bzw. Anweisungen – für die interne wie externe Verständigung – sind durchgehend vereinheitlicht. Ein umfassendes Glossar ist ebenfalls enthalten.

Die Sprache der SMCP ist oft sehr einfach. „Dafür bekommt man keinen Literatur- Nobelpreis“, sagt Trenkner. Aber inzwischen habe SMCP selbst im englischen Sprachraum Akzeptanz gefunden und in Asien, wo man sich mit der englischen Sprache oft schwer tut, werde es sehr willkommen geheißen. Mittlerweile gibt es auch elektronische Lehrwerke, die vor allem die richtige Aussprache fördern sollen. Demnächst – nach fünf Jahren Erfahrung – sollen die Kommentare zu SMCP ausgewertet werden, sagt Trenkner zum aktuellen Stand. Alle zwei Jahre treffen sich auch die Englisch-Lehrer der Hochschulen zur „International Maritime English Conference“ (IMEC), das nächste Mal im Oktober 2007 in Rotterdam (Niederlande).

Auch Hanseatic Lloyd legt großen Wert auf englische Sprachkenntnisse. Mit zwei Schulen wird dazu kooperiert. In Novorossiysk für Seeleute aus dem russischen Sprachraum auf den Tankern und in Yangon in Myanmar (früher als Burma bekannt) für die Besatzungen der Container-Schiffe.

In Novorossiysk gibt es eigene Englisch- Kurse – 60 Stunden Konversations-Englisch – für die Mannschaftsgrade der Hanseatic Lloyd-Tanker. „Der Kurs soll unseren Leuten die Angst vor der Sprache nehmen, er wird ohne Prüfung abgeschlossen“, betont Hans-Peter Esch, bei Hanseatic Lloyd für das Crewing der Tankerflotte zuständig. Die Lehrerin, die in Novorossiysk exklusiv die Leute von Hanseatic Lloyd in Gruppen mit maximal zehn Leuten unterrichtet, hat Esch mit ausgesucht. „Sie spricht nahezu akzentfreies Englisch“, lobt Esch, der selbst viele Jahre in England gelebt hat. Einmal jährlich sollte dieser Lehrgang absolviert werden. Ein weiterer Kurs für maritimes Englisch von ebenfalls 60 Stunden Dauer ist für Offiziere vorgesehen, wenn aus deren Beurteilungsbogen entsprechender Nachholbedarf ersichtlich ist. Die Besatzungen der Container-Schiffe lernen Englisch im Trainingszentrum in Yangon in Myanmar. Dort werden zunächst Schwachstellen in den Englisch- Kenntnissen analysiert und gezielt Verbesserungen geübt. Schriftliche und mündliche Sprachkenntnisse sowie deren Verständnis werden dort dann auch nach den Standards der IMO und der UK Maritime & Coastguard Agency geprüft. An Bord fließen in die regelmäßigen Beurteilungen auch die englischen Sprachkenntnisse ein. Defizite werden so erfasst und können fürs weitere Training berücksichtigt werden.

Natürlich sind die Erwartungen an die Englisch-Kenntnisse der Besatzung auch abhängig von Aufgabe und Dienstgrad. Um die Scheu vor der Sprache zu verlieren, empfiehlt Hanseatic Lloyd allen an Bord: Täglich englisch zu kommunizieren!

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