Kurs Richtung Zukunft

Nachhaltigkeit bestimmt die Handelsseeschifffahrt

Die Seeschifffahrt gilt angesichts ihrer Energieeffizienz und der so genannten Massenleistungsfähigkeit als der umweltfreundlichste Verkehrsträger überhaupt. Gleichzeitig gilt sie aber auch als die am meisten regulierte Industrie der Welt. Für Unternehmen der internationalen Handelsseeschifffahrt ergibt sich darüber hinaus eine besonders hohe ökologische Verantwortung angesichts der Tatsache, dass sich unser Betätigungsfeld über den gesamten Globus erstreckt. Ständige Verbesserungen zum Fortschritt sind dabei unser oberstes Ziel.

Effizienten Schiffen gehört die Zukunft, hatten wir schon in der vorhergehenden OnBoard-Ausgabe festgestellt. Aber nicht nur im Bereich des Antriebs der Ozeanriesen werden Verbesserungen vorangetrieben. Eine Vielzahl von Maßnahmen zielt darauf ab, den Ausstoß von CO2 und anderen Abgasen zu mindern, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren oder die Behandlung von Abfällen vom Bau über den Betrieb bis zum Abwracken eines Schiffes zu kontrollieren.

Mehr als 95 % des interkontinentalen Warenverkehrs wird mit dem Seeschiff abgewickelt. Gleichzeitig trägt die Seeschifffahrt nach einer aktuellen IMO-Studie nur zu ca. 2,7 % zu den globalen Emissionen bei. Im Vergleich der CO2 - Effizienzen der verschiedenen Verkehrsträger schneidet die Seeschifffahrt am besten ab. Angesichts der erwarteten Auswirkungen infolge des Klimawandels auf der Erde – verursacht im Wesentlichen durch Treibhausgase wie CO2 – ist jedoch jedes Gramm CO2 , das eingespart werden kann, von Bedeutung. Bei Großanlagen wie Schiffen kommen schnell viele Tonnen CO2 -Einsparungen zusammen, auch wenn nur ein paar wenige Prozent an Treibstoff eingespart werden können.

Die Reduzierung von CO2 war auch Thema der 59. MPEC-Sitzung der IMO Mitte Juli. Ein Katalog von technischen und operativen Maßnahmen in der Schifffahrtindustrie zur Verminderung der CO2 -Emissionen wurde dort festgelegt. Spezielles Thema waren Indizes, mit denen die Energie-Effizienz eines Schiffes beschrieben werden kann. Die technische Entwicklung aller Elemente, die zur Effizienz eines Schiffes beitragen, soll mit dem „Energy Efficiency Design Index” (EEDI) gefördert werden. Den effektiven Betrieb von neuen oder bestehenden Schiffen beschreibt der „Energy Efficiency Operational Index” (EEOI). Die Verwendung beider Indizes ist freiwillig.

Die Wirtschaftskrise hat auch für eine steigende Zahl von Schiffen gesorgt, die abgewrackt werden. Damit nicht wie in der Vergangenheit nur der Stahl wiederverwertet wird, sondern alle Inhaltsstoffe eines Schiffes erfasst und verwertet oder sachgerecht entsorgt werden, hat die IMO eine Konvention über den sicheren und umweltgerechten „Abbruch” von Schiffen vorgelegt. Ein Bestandteil der Konvention ist eine Inventarliste insbesondere über umweltkritische Stoffe, die über die gesamte Betriebsdauer des Schiffes fortgeschrieben wird.

Ein Ansatz für eine umweltfreundliche Energieversorgung an Bord ist die Brennstoffzellentechnologie. Auf einem 92 Meter langen Offshore-Versorgungsschiff („Viking Lady”) wurde im September ein 320-kW-Modul des Herstellers MTU Onsite Energy eingebaut. Aus Flüssiggas wird darin Strom mit einem Wirkungsgrad von rund 50 % erzeugt. Zusammen mit der genutzten Abwärme steigt der Wirkungsgrad auf 90 % – und trotzdem kommen nur Wasser und CO2 aus der Brennstoffzelle heraus. Für die gleiche Energiemenge wird weniger CO2 freigesetzt als mit konventionellen Dieselgeneratoren und zudem werden kein Stickoxid oder Feinstaub freigesetzt. Im Rahmen des Projektes „Fellowship” soll die Seetauglichkeit der Brennstoffzellen getestet werden.

Auch bei bestimmten Schmiermitteln gibt es bereits Alternativen zu herkömmlichen Fetten und Ölen. Castrol stellt Schmieröle für Decksmaschinen, Getriebe oder Hydraulikanlagen aus nachwachsenden Rohstoffen her. Damit werden einerseits die Öl-Ressourcen geschont, andererseits ist dieses alternative Öl auch biologisch abbaubar, was vor allem dann wichtig ist, wenn Abrieb direkt ins Wasser gelangt.

Im Bereich Umweltschutz entsprechen alle Schiffe der Hanseatic Lloyd-Flotte den gesetzlichen MARPOL Vorschriften. Diese internationale Konvention zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (International Convention for the Prevention of Pollution from Ships) ist weltweit gültig und regelt zahlreiche Aspekte des maritimen Umweltschutzes. Sie gilt als das Rückgrat der weltweiten Anstrengungen zur Minimierung der Verschmutzung der Meeresumwelt.

Bei Hanseatic Lloyd befindet sich das Umweltschutzsystem ISO 14001 in der Vorbereitung zur Einführung. In dieser Norm ist eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltbilanz eines Unternehmens festgeschrieben. Wir stellen konkrete Umwelt-Ziele auf, planen den Weg dahin, überprüfen das Erreichte und wiederholen diesen Vorgang regelmäßig. Als global agierende Unternehmensgruppe sind wir uns unserer Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt bewusst und handeln danach.

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